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Der ultimative Anfänger Espresso Brew Guide

Espresso machen ist einfach. Wenn man weiß, worauf es ankommt. Trotzdem kann die Siebträgermaschine manchmal zur Geduldsprobe werden. Mal zu sauer, mal zu bitter, mal einfach nur „naja". Das liegt fast immer daran, dass zu viele Variablen gleichzeitig verändert werden. In diesem Guide zeigen wir Dir Schritt für Schritt, wie Du die Kontrolle über Deinen Espresso bekommst.

Was ist Espresso eigentlich?

Espresso ist ein Konzentrat. Heißes Wasser wird im klassischen Fall mit ca. 9 bar Druck durch fein gemahlenes Kaffeemehl gepresst. In nur 23 bis 30 Sekunden. Das Ergebnis hat ca. 8 bis 12 % gelöste Teilchen im Wasser (Filterkaffee liegt bei nur 2 bis 6 %). Deshalb schmeckt Espresso so intensiv und eignet sich als Basis für Cappuccino, Flat White, Latte Macchiato und Co.

Die Idee hinter der Espressomaschine war Geschwindigkeit: Filterkaffee braucht mehrere Minuten, Espresso ist in unter 30 Sekunden fertig. Was ursprünglich für Cafés entwickelt wurde, steht heute in immer mehr Küchen. Und genau da fangen die Fragen an.

 

Espresso zubereiten ist wie Kuchenbacken

Beim Backen suchst Du Dir ein Rezept aus, wiegst die Zutaten ab, vermischst alles sorgfältig und schiebst den Teig in den vorgeheizten Ofen. Sobald er drin ist, kannst Du nichts mehr ändern bzw. sehr wenig. Der Rest ist Geduld.

Beim Espresso läuft es ähnlich: Dein „Teig" ist das Kaffeemehl. Das Formen entspricht dem Befüllen des Siebträgers und dem Tampen. Dann geht es „in den Ofen". Der Siebträger wird eingespannt und die Brühung beginnt. Sobald die gewünschte Menge in der Tasse ist, kennst Du auch die Brühzeit. Und weißt, was Du beim nächsten Mal anpassen kannst.

Und genau wie beim Backen gilt: Wenn die Verhältnisse stimmen, wird das Ergebnis gut.

 

Die drei entscheidenden Variablen

Für den Anfang brauchst Du nur drei Variablen im Griff zu haben. Alles andere (Brühdruck, Wasserqualität, Brühprofil) kommt später. Oder nie, wenn Dir Dein Espresso auch so schmeckt.

1. Mahlgrad. Deine wichtigste Stellschraube

Der Mahlgrad kontrolliert, wie schnell das Wasser durch das Kaffeemehl fließt. Je feiner Du mahlst, desto langsamer fließt das Wasser. Und umgekehrt.

  • Espresso läuft zu schnell durch? → Mahlgrad ist zu grob. Feiner mahlen.
  • Espresso tropft nur oder läuft gar nicht? → Mahlgrad ist zu fein. Gröber mahlen.

Das Kaffeemehl sollte sich ungefähr wie feines Salz anfühlen. Manche Mühlen haben Markierungen für den Espresso-Bereich. Ein guter Startpunkt. Fass das Kaffeemehl ruhig mal an und spüre, wie grob oder fein es ist. Das hilft Dir, ein Gefühl dafür zu entwickeln.

Ein wichtiger Punkt: Frisch mahlen ist Pflicht. Nur so kannst Du den Mahlgrad bei jedem Bezug anpassen. Und je gleichmäßiger Deine Mühle mahlt (Homogenität), desto gleichmäßiger wird die Extraktion.

2. Kaffeemenge. Finde Deine Dosis für dein Siebträger

Wie viel Kaffeemehl in Dein Sieb passt, hängt von der Siebgröße ab. Die meisten Doppelsiebe fassen 16 bis 20 g. Auf vielen Sieben steht eine Gramm-Angabe. Das ist Dein Startpunkt.

 

So findest Du die richtige Menge:

  1. Mahle eine bestimmte Menge (z. B. 18 g) und tampe sie gleichmäßig.
  2. Zwischen der Oberfläche des Kaffeekuchens und dem Siebrand sollten ca. 10 mm Platz sein. Viele Siebe haben eine Einkerbung an der Stelle, wo die Spange das Sieb hält. Die kann als Orientierung dienen.
  3. Der Siebträger sollte sich leicht einspannen und herausnehmen lassen.
  4. Nach dem Bezug sollte kein Abdruck der Dusche (Brühkopf) im Kaffeekuchen sein. Ein Abdruck einer Schraube in der Mitte kann vorkommen. Manche Maschinen haben so ihr Sieb befestigt.
  5. Steht der Puck nach dem Bezug im Wasser, war es wahrscheinlich zu wenig Kaffeemehl.

Hast Du die ideale Menge gefunden, halte Dich daran. Konsistenz ist der Schlüssel.
Noch als kleiner pro Tipp, up so feiner du mahlst um so mehr lässt sich der Kaffee komprimieren und sitzt deshalb auch tiefer im Sieb. Anders herum genau so, um so gröber um so "mehr" wirkt es im Sieb

 

3. Getränkemenge (Kaffee-Wasser-Verhältnis)

Möchtest Du einen kurzen, intensiven Espresso oder ein etwas längeres, ausgewogeneres Getränk? Das bestimmst Du über das Verhältnis von Kaffeemehl zu Getränk in der Tasse.

Gängige Verhältnisse:

  • 1:2. kurz und intensiv (18 g rein → 36 ml raus)
  • 1:2,5. ausgewogen, unser Standard (18 g rein → 45 ml raus)
  • 1:3. länger, milder, gut für helle Röstungen (18 g rein → 54 ml raus)

Je heller und säurehaltiger der Kaffee, desto länger solltest Du den Espresso ziehen. Die Säure wird dadurch besser ausbalanciert und das Geschmacksprofil runder. Dunkler geröstete Kaffees funktionieren auch kürzer sehr gut.

 

 

So machst Du es Dir einfach: Variablen fixieren

Das klingt vielleicht nerdy, aber eine Waage hilft enorm. Genau wie beim Backen, wo Du die Zutaten abwiegst. Wenn Kaffeemenge und Getränkemenge fixiert sind, musst Du nur noch am Mahlgrad drehen. Und das macht alles viel einfacher.

Diese drei Dinge misst Du bei jedem Bezug:

  1. Kaffeemehl abwiegen (immer die gleiche Menge)
  2. Getränkmenge in der Tasse abwiegen (1 g ≈ 1 ml)
  3. Brühzeit stoppen

Daraus liest Du ab, ob Dein Verhältnis stimmt und ob die Brühzeit im Sweet Spot liegt. Klingt nach Aufwand. Spart Dir aber jede Menge Kaffeemehl und Frust.

 

Espresso zubereiten: Schritt für Schritt

Vorbereitung

  1. Maschine rechtzeitig einschalten, damit sie auf Betriebstemperatur kommt.
  2. Leerbezug: Kurz Wasser durch die Brühgruppe laufen lassen. Das spült altes Wasser und Rückstände raus.
  3. Kaffeebohnen abwiegen (z. B. 18 g) und frisch mahlen.

 

Siebträger vorbereiten

  1. Kaffeemehl in den Siebträger geben.
  2. Optional: Mit einem WDT-Tool (Nadel) Klumpen auflösen und das Kaffeemehl gleichmäßig verteilen.
  3. Tampen: Gleichmäßig und gerade andrücken. Lieber gerade als mit viel Druck. Eine ebene Fläche ist wichtiger als maximale Kraft. Wasser sucht sich immer den Weg des geringsten Widerstands. Ist der Puck uneben, entsteht Channeling (ungleichmäßige Extraktion), und der Kaffee schmeckt gleichzeitig sauer und bitter.
  4. Siebträger vorsichtig einspannen. Nicht reinhauen. Das kann den Kaffeekuchen beschädigen und das Tampen zunichtemachen.

 

Brühen

  1. Tasse auf die Waage stellen und auf Null setzen.
  2. Bezug und Timer gleichzeitig starten.
  3. Der Espresso sollte nach ca. 3 bis 5 Sekunden als dünner, dunkler Strahl fließen und langsam heller werden.
  4. Stoppe den Bezug, wenn die gewünschte Getränkemenge erreicht ist (z. B. 45 g bei 1:2,5).
  5. Brühzeit ablesen.

 

Den besten Geschmack durch die perfekte Brühzeit finden

Der Sweet Spot ist der Punkt, an dem sich Säure und Bitterkeit gegenseitig aufheben und der Kaffee harmonisch schmeckt. Klassisch liegt die Brühzeit bei ca. 25 Sekunden. Das ist ein guter Orientierungspunkt.

  • Espresso schmeckt sauer? → Brühzeit zu kurz. Feiner mahlen.
  • Espresso schmeckt bitter? → Brühzeit zu lang. Gröber mahlen.

Je nach Kaffee bewegt sich die optimale Brühzeit zwischen ca. 22 und 35 Sekunden. Dunklere Röstungen werden oft schon ab 28 Sekunden bitter, hellere Röstungen vertragen auch mal 33 bis 35 Sekunden. Helle Röstungen (wie unsere „CliQue") haben immer eine leichte Restsäure. Das ist normal und gewollt.

 

Für Fortgeschrittene

Brühtemperatur

Die meisten Maschinen brühen bei 92 bis 96 °C. Falls Deine Maschine die Temperatur einstellen kann:

  • Helle Röstungen: eher niedriger (90 bis 93 °C). reduziert Säure
  • Dunkle Röstungen: eher höher (93 bis 96 °C). holt mehr Süße raus

Schon ein halbes Grad kann einen Unterschied machen. Auch die Temperaturstabilität Deiner Maschine spielt eine Rolle. kann sie gleichbleibend 93 °C liefern?

Brühdruck

Standard bei den meisten Maschinen: 9 bar. Einige Maschinen erlauben es, den Druck zu variieren (Druckprofilierung). Für den Anfang: Lass den Druck bei 9 bar und konzentriere Dich auf Mahlgrad, Dosis und Verhältnis.
Mit dem ändern des Brühdrucks eröffnest Du dir nochmal eine andere Welt und viele Variablen verhalten sich dann anders.

Channeling erkennen

Channeling entsteht, wenn das Wasser sich Kanäle durch den Kaffeekuchen sucht, statt gleichmäßig durchzufließen. Du erkennst es an hellen Flecken oder Löchern im Kaffeekuchen nach dem Bezug. Auch wenn der Espresso seitlich aus dem Siebträger spritzt, ist Channeling wahrscheinlich die Ursache. Abhilfe: gleichmäßiger verteilen, gerader tampen, Siebträger vorsichtiger einspannen.

Die Homogenität des Mahlgrads ist auch wichtig, damit es kein Channeling gibt.

Wassermenge ≠ Getränkemenge

Manche Maschinen haben einen Durchlaufsensor. Es kann sein, dass die Maschine 70 ml Wasser durch den Siebträger drückt, aber nur 50 ml in der Tasse ankommen. Der Rest bleibt im Kaffeemehl oder wird über das Überdruckventil abgelassen. Deshalb immer die Tasse wiegen, nicht den Durchfluss der Maschine nehmen.

 

Welches Getränk möchtest Du zubereiten?

Die erste Frage vor jedem Bezug: Trinkst Du den Espresso pur oder wird er zum Mischgetränk?

  • Pur (Single/Double Espresso): Hier schmeckst Du alles. Jede Nuance, aber auch jeden Fehler. Akkurates Arbeiten lohnt sich besonders.
  • Americano / Long Black: Espresso mit Wasser. Die Aromen werden abgeschwächt, aber alle bleiben erhalten.
  • Cappuccino, Flat White, Latte Macchiato: Milch bringt zusätzliche Aromen und Textur. Die Zubereitung verzeiht mehr Fehler, weil der Kaffeegeschmack in den Hintergrund tritt.
  • Espresso Tonic, mit Orange etc.: Zusätzliche Aromen überlagern kleinere Fehler komplett.

 

Den richtigen Kaffee wählen

Grundsätzlich kann jede Bohne als Espresso zubereitet werden. Allerdings wird die Zubereitung anspruchsvoller, je heller die Röstung ist. Hellere Röstungen bringen mehr vom eigentlichen Kaffeegeschmack. Frucht, Blumen, Säure. Dunklere Röstungen werden irgendwann vom Röstaroma dominiert.

Goodbean Kaffees sind alle eher heller geröstet, damit Du den vollen Kaffeegeschmack erlebst. Wenn auf einer Packung „Espresso" steht, bedeutet das bei uns: etwas dunkler geröstet als die Filtervariante, aber immer noch deutlich heller als der Industriestandard.

 

Fazit

Espresso zubereiten muss nicht kompliziert sein. Fixiere Deine Kaffeemenge und Getränkemenge, dann brauchst Du nur noch am Mahlgrad zu drehen. Mit einer Waage, einem Timer und etwas Geduld erzielst Du Ergebnisse, die Du bisher vielleicht nur aus guten Cafés kanntest.

Und der wichtigste Tipp: Wenn Dein Espresso Dir schmeckt, ist er gut. Egal was irgendein Guide sagt.

 

Unsere Kaffeeempfehlung

Für den Einstieg in die Espresso-Welt empfehlen wir Dir Die Offenbarung. Unseren House Blend. Klassisch im Geschmack mit etwas Pepp (Schokolade, Nuss, Süße), viel Crema und sehr verzeihend bei der Zubereitung. Wenn Du es fruchtiger magst, probiere Die Clique als Espresso. Milder Apfel und Karamell, aber als etwas längeres Getränk (1:2,5 bis 1:3) gezogen.

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