Brauche ich eine teure Mühle?
Eine gute Kaffeemühle ist wichtiger als eine teure Maschine. Aber muss sie teuer sein? Wir erklären, was eine Mühle können muss und ab wann sich das Investment lohnt.
In der Kaffeewelt gibt es einen Satz, der fast schon ein Mantra ist: „Investiere zuerst in die Mühle, dann in die Maschine." Und da ist was dran. Aber heißt das, Du brauchst eine Mühle für 500 Euro? Nicht unbedingt.
Warum die Mühle so wichtig ist
Die Mühle bestimmt die Gleichmäßigkeit Deines Kaffeemehls. Und die Gleichmäßigkeit bestimmt, wie sauber Dein Kaffee extrahiert wird. Eine schlechte Mühle produziert gleichzeitig Staub (überextrahiert, bitter) und Brocken (unterextrahiert, sauer). Das Ergebnis schmeckt irgendwie nach beidem. Eine gute Mühle produziert Partikel, die alle ungefähr gleich groß sind. Und das schmeckst Du.
Was Du wirklich brauchst - ein paar Punkte
- Geschwindigkeit ist im Heimbereich erstmal nicht so wichtig, was aber wichtig ist, das Mahlwerk.
Achte unbedingt darauf, dass es ein Kegel- oder Scheibenmahlwerk ist. Scheibenmahlwerke haben in der Regel eine höhere Drehzahl, Kegelmahlwerke eher Niedriger. - Am besten ist es, wenn deine Mühle eine Stufenlose Mahlgradverstellung hat. Für den Anfang ist eine Verstellung mit Stufen aber vollkommen ok.
- Wenig Totraum. Totraum bei einer Mühle ist zwischen dem Mahlwerk und dem Auslass, also da wo das Kaffeemehl raus kommt. Bspw. eine Mühle mit viel Totraum bedeutet, Du wirfst oben 18g Kaffeebohnen rein und unten kommen 12g Kaffeemehl raus. Das würde heissen, die Mühle hat einen Totraum von 6g. Diese 6g bleiben dann in der Mühle, gasen aus, verlieren ihre Aromen und beim nächsten verwenden der Mühle hast Du altes Kaffeemehl in deinem Kaffee. Der Kaffee wird weniger aromatisch.
- Kleiner Hopper. Hopper ist der Behälter in dem die Bohnen drin sind. Am besten ist es eigentlich, wenn man eine Single Dosing Mühle kauft. bzw. es kommt drauf an wie viele Kaffees ich am Tag trinke. Bestenfalls werfe ich aber nur soviel Kaffeebohnen in den Hopper wie ich auch am selben Tag verbrauche. So bleibt der Kaffee immer frisch.
Single Dosing bedeutet, ich Mahle immer nur eine Portion, eben genau die, die ich für den nächsten Brühvorgang brauche.
Mühlen mit Hopper sind klassischer, wenn ein Mahlgradtimer oder ein GrindbyWeight in der Mühle verbaut ist auch bequemer. Aber nicht unbedingt besser.
und dann kann man es noch etwas von der Zubereitung abhängig machen.
Für Filterkaffee (V60, Chemex, French Press, AeroPress): Hier reicht eine solide Handmühle ab ca. 50 bis 90 Euro völlig aus. Filterkaffee verzeiht mehr Fehler in der Mahlgradeinstellung. Komfortabler ist natürlich eine elektrische Mühle.
Für Espresso (Siebträger): Hier wird es anspruchsvoller. Espresso erfordert einen sehr feinen und gleichmäßigen Mahlgrad. Kleine Unterschiede in der Partikelgröße verändern den Geschmack dramatisch.
Für den Vollautomaten: Hier hast Du keine Wahl. Der Vollautomat hat eine eingebaute Mühle. Die Qualität variiert je nach Modell. Teurere Automaten haben tendenziell bessere Mahlwerke, aber Du kannst nichts nachrüsten.
Handmühle oder elektrisch?
Handmühlen bieten oft ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Für 100 Euro bekommst Du eine Handmühle, die mit einer 300-Euro-Elektromühle mithalten kann. Der Nachteil: Du musst selbst kurbeln. Für eine Tasse Filterkaffee sind das ca. 30 bis 45 Sekunden. Für Espresso etwas länger. Wenn Dir das morgens zu viel ist, nimm eine elektrische.
Was Du auf jeden Fall vermeiden solltest
Schlagmesser-Mühlen (Propellermühlen). Die Dinger zerhacken die Bohne statt sie zu mahlen. Das Ergebnis ist völlig ungleichmäßig und nicht reproduzierbar. Egal wie günstig sie sind: Finger weg.
Fazit
Du brauchst keine 500-Euro-Mühle, um guten Kaffee zu machen. Aber Du brauchst eine Mühle, die gleichmäßig mahlt. Für Filterkaffee reichen 50 bis 90 Euro. Für Espresso sind 150 bis 300 Euro realistisch. Das klingt nach viel, aber eine gute Mühle hält Jahre und macht aus jedem Kaffee einen besseren Kaffee. Das ist das beste Investment, das Du für Deinen Kaffee machen kannst.